ID 1566456
Los 1474 | Jan Brueghel (Breughel) der Jüngere
Schätzwert
€ 45 000 – 90 000
Jan Brueghel (Breughel) der Jüngere
(1601 Antwerpen - 1678 ebenda)
Muttergottes mit dem Jesusknaben in einem Blumenkranz
Brueghel übernahm in diesem Gemälde eine Kompositionsidee seines Vaters. Um 1616-1618 hatte jener mit Rubens seine berühmte Blumenkranzmadonna (in der Alten Pinakothek in München) geschaffen, die mit ihrem „Bild im Bild“ einen neuen Bildtypus prägte. Der Blumenkranz mit den Engeln entfaltete als gemalter Rahmen ein raffiniertes Trompe-l’oeil-Spiel zwischen Realität und Fiktion sowie deren dreidimensionalen Möglichkeiten. Auch hier umrahmt einem diffus dunklen Hintergrund ein opulenter, farbenprächtiger Blumenkranz ein Bild, in diesem Fall ein ovales Medaillon. Darin dargestellt ist die sitzende Muttergottes mit dem Jesuskind, das nur spärlich mit einem weißen, um die Hüften geschlungenen Tuch bekleidet ist. Sie trägt ein purpurrotes Kleid, das an Ärmeln und Ausschnitt weiß abgesetzt ist. In inniger, tiefer Zuneigung berührt Maria mit ihrem geneigten Haupt die Stirn des Kindes und hält zärtlich dessen rechten Fuß. Das Jesuskind streichelt wiederum im Gegenzug zärtlich deren Kinn. Um dieses Bildnismedaillon herum ist der stilllebenartige Kranz aus verschiedenen, naturgetreu und minutiös fein gemalten, duftigen, leuchtend farbigen Frühlings- und Sommerblumen komponiert, der eine effektvolle Dreidimensionalität entfaltet, unterstrichen durch jeweils einen in die Ecken ragenden Blütenzweig; am unteren Ende des Kranzes sitzt mittig eine Fliege auf einer Schneeballenblüte, darunter setzt ein Zweiglein mit vier roten Erdbeeren einen sinnlichen Akzent. Wie in der flämischen Malerei im Antwerpen des 16./17. Jh. üblich, entstand auch dieses Gemälde in enger, kongenialer Zusammenarbeit von zwei Spezialisten: Während Brueghel den Blumenkranz malte, stammen die Figuren im Inneren von einem bisher nicht identifizierten Meister aus dem Umkreis von Pieter van Avant (1600 Mechelen - 1652 Antwerpen). Es ist zudem eine Eigenart der flämischen Malerei des 17. Jh., dass Bildformulierungen, die sich in bestimmten anderen Themenbereichen zuvor schon als besonders erfolgreich erwiesen hatten, auch in andere Bereiche transformiert wurde: So eignete sich der Blumenkranz nicht nur als Rahmung für allegorische und mythologische Szenen, sondern insbesondere auch für christliche - wie im vorliegendem Gemälde für eine Madonna. Der Stil deutet für den Brueghel-Experten Klaus Ertz darauf hin, dass es in den 30er-Jahren des 17. Jh. entstand. Zu dieser Zeit stand Jan Bruegel d. J. mit seiner Blumenmalerei, wie es für die früheren Werke üblich ist, noch in der Tradition seines Vaters Jan Brueghel d. Ä.; Dieser hatte seinen ältesten, hochbegabten Sohn bereits vor dessen Italien-Reise (1622-1625) an seinen Blumenbildern kongenial mitarbeiten lassen. 1625 musste Jan Brueghel d. J. jedoch abrupt aus Italien zurückkehren, um nach dem überraschenden Tod seines Vaters dessen Werkstatt zu übernehmen. Noch im selben Jahr wurde er in die Antwerpener St. Lukasgilde aufgenommen. In den 1630er-Jahren stand Jan Brueghel d. J. auf dem Höhepunkt seiner Kunst und seines Ansehens. Hierdurch konnte er (wie bereits zuvor sein Vater) berühmte andere Maler wie Peter Paul Rubens, Hendrik van Balen, Frans Francken d. J. oder auch Pieter van Avont dafür gewinnen, dass diese die christlichen, allegorischen und mythologischen Szenen malten, während er diese in ihrer Wirkung durch schmückende Blumenkränze steigerte. Öl/Eichenholztafel. 99 cm x 73 cm. Rahmen.
Beigefügt: Gutachten von Dr. Klaus Ertz, Lingen, 12. Oktober 2009.
Oil on oak panel. Accompanied by an expertise from Dr. Klaus Ertz, Lingen 12th October 2009.
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