Los 1514. Johann Melchior Roos

Startpreis: € 33 000
Auktionsdatum: 09.05.2021   11:00 UTC +02:00
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ID 533678
Los 1514 | Johann Melchior Roos
(1663 Heidelberg - 1731 Frankfurt am Main) Zebras in Waldlandschaft Dargestellt hat Roos 1716 eine Gruppe Zebras in einer fantasiereich geschilderten, baumbestandenen, afrikanischen Landschaft mit üppiger Vegetation, die durch virtuose Farb- und Lichtperspektive eine tiefenräumliche Wirkung entfaltet. Die afrikanische Flora und Fauna wird durch Palmen und einen auf einem Baum sitzenden Affen angedeutet. Das Gemälde gehört in die Kategorie der barocken Tierstücke bzw. "Sammelbilder"; ikonographisch ist es höchst außergewöhlich, handelt es sich doch um eine der überaus seltenen Darstellungen des exotischen Tieres in der europäischen Malerei des 17./18. Jahrhunders; Der "Curiosatas" (Neugierde) in den Kunstkammern entsprechend, erfüllten solche Tierporträts neben der Faszination auch ein allgemeines universalistisches, naturhistorisch-enzyklopädisches Interesse an exotischen Tieren, die in fürstlichen Menagerien seit dem 16. Jahrhundert als lebendige Sammel- und Anschauungsobjekte gehalten wurden. Die gemalten Tierstücke dieses Genres und auch die Grafiken (u. a. nach Studien in Menagerien) konnten im Barock sowohl konkrete Abbilder als auch idealisierte Schilderungen sein. Der aus der bedeutenden Tiermaler-Familie stammende Johann Melchior Roos wurde 1710 Hofmaler des Mainzer Kurfürsten Lothar Franz v. Schönborn (1655 - 1729), einem der mächtigsten und reichsten Fürsten im ganzen Heiligen Römischen Reich. Seine persönliche Passion lebte er als Bauherr und Kunstsammler aus, Roos schuf für ihn u. a. Gemälde mit "verschieden raren Tieren". Auch für den (Erz-)Vizekanzler Friedrich Karl von Schönborn (1674 - 1746) in Wien und Graf Anselm Franz von Schönborn (1681 - 1726) auf Schloss Heusenstamm in Hessen malte er über 83 Tierstücke. Als Hauptwerk von Roos gilt das 1722-1728 für den Landgrafen von Hessen-Kassel ausgeführte Monumentalgemälde "Die Menagerie des Landgrafen Carl". Bemerkenswert ist das Motiv des vorliegenden Gemäldes - Zebras waren im Europa des Jahres 1716 so gut wie unbekannt. Zwar ließ der Infant Don Carlos von Spanien schon 1555 erstmals ein afrikanisches Zebra nach Europa bringen, sie blieben jedoch absolute Raritäten in fürstlichen Menagerien. Bis in die 2. Hälfte des 18. Jahrhunders existieren daher nur ganz wenige künstlerische Darstellungen. Bekannt sind zwei Gemälde mit Paradies- bzw. Orpheus-Szenen von Sinibaldo Scorza (1589 - 1631) und Roelant Savery (1576/78 - 1639). Auch in den illustrierten Tierenzyklopädien des 17. Jahrhunders finden sich Zebras nur selten: darunter als "Zebra Indica" in der "Historiae Naturalis" von John Johnston und Matthäus Merian (Frankfurt, 1650-1653), das für ca. 100 Jahre das maßgebliche Handbuch der Tierkunde blieb. Das Zebra blieb weitgehend fremd - auf einem Kupferstich von 1691 in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Monatliche Unterredungen Einiger Guten Freunde" wird es kurios als "Das schöne thier Zecora oder auch wald Esel" bezeichnet. Öl/Leinwand, doubliert; Links unten signiert und datiert 1716. 89,5 cm x 76 cm. Rahmen. Allgemeine Lit: Petra Werner: "Die Menagerie des Landgrafen Karl", Diss. Kassel 2013. Oil on canvas, relined. Signed and dated 1716.

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Vorschau 25.04.2021 - 06.05.2021
Bedingungen Aufgeld 27,85
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