ID 1566672
Los 1690 | Lovis Corinth
Schätzwert
€ 65 000 – 130 000
Lovis Corinth
(1858 Tapiau - 1925 Zandvoort)
"Beim Aufstehen". Originaltitel
Das 1913 erstmals in einer Ausstellung der Berliner Secession präsentierte Gemälde entstand im Sommer 1910 während eines Aufenthaltes der Familie Corinth in Thaur, Tirol und zeigt seine Frau Charlotte Berend-Corinth in einer unmittelbar erfassten Situation. Für den Künstler charakteristisch ist der die Formen und Details auflösende Stil, der lockere, impulsive Duktus, der weich-pastose Farbauftrag und die Palette aus hellen, warmen Farben. Es gehört zu einer größeren Werkgruppe weiterer Aktbilder aus demselben Jahr, darunter das verwandte Gemälde "Im Korsett". Corinth befasste sich zeitlebens immer wieder mit weiblichen Akten. Die Aktbilder Corinths sind seit 1900 nicht nur Ausdruck männlicher Sicht auf den entblößten, erotischen, weiblichen Körper, sondern auch des weiblichen Begehrens, welche den Mann zum eigentlichen Objekt werden lässt. Sie mussten Anfang des 20. Jhs. schockieren, sprengten sie doch jegliche Konventionen der Kunst, Ästhetik und gesellschaftlichen Frauenbilder. Sie zeigen statt idealisierend geglätteter, ebenmäßiger Figuren reale, lebendige Frauen, die sich ihrer eigenen Sinnlichkeit, sexuellen Anziehungskraft und Begierden durchaus bewusst sind, in all ihrer prallen Körperlichkeit. Corinth zählt neben Max Liebermann und Max Slevogt zu den bedeutendsten Künstlern des deutschen Impressionismus, der Berliner Secession und des Expressionismus. Corinth lebte und arbeitete seit 1901 in Berlin, wo er 1911 Präsident der Secession wurde. 1913 erschien die erste Corinth-Monographie, Paul Cassirer arrangierte eine große Retrospektive mit 228 Ölgemälden; 1917 verlieh ihm die Akademie der Künste den Professorentitel. Seit 1919 hielt sich Corinth oft am Walchensee auf, der zum wichtigen Rückzugsort für ihn wurde. 1926 fanden umfassende Gedenkausstellungen statt, u. a. in der Nationalgalerie (mit vorliegendem Gemälde). Dem Ruhm der Weimarer Republik folgte die Schmähung Corinths in der NS-Zeit, da er nicht den Kunstvorstellungen entsprach. Bereits 1930 hatte Alfred Rosenberg in seinem berüchtigten "Mythus" geschrieben: "Eine gewisse Robustheit zeigte L. C., doch zerging auch dieser Schlächtermeister des Pinsels im lehmig-leichenfarbigen Bastardtum des syrisch [d. h. jüdisch] gewordenen Berlins". 1937 beschlagnahmte man 295 Werke Corinths, ein Großteil aus der Nationalgalerie und Hamburger Kunsthalle, einige wurden in der Propaganda-Ausstellung "Entartete Kunst" in München gezeigt. Die meisten Bilder wurden ins Ausland, vor allem in die Schweiz verkauft. Öl/Lwd., doubl.; R. o. sign.; 50 cm x 50 cm. Rahmen.
Wvz. Charlotte Berend-Corinth 1958, Nr. 420, Abb. S. 108.
Beigefügt: Expertise von Prof. Dr. Hans-Jürgen Imiela, Mainz, 26.06.1990.
Lit. u. Ausstellungen (in Auswahl): Berliner Secession 1913, Kat.-Nr. 87; Nationalgalerie Berlin 1926, Gedächtnisausstellung "Lovis Corinth", Kat.-Nr. 125; Stadthalle Wolfsburg und Lenbachhaus München 1958, "Lovis Corinth", Kat-Nr. 78; Wanderausstellung Bielefeld, Köln, Essen, Bremen, Karlsruhe u. Wien 1968/69, "Morton D. May Collection"; St. Louis, City Art Museum 1970, "Morton D. May Collection", S. 19, Kat.-Nr. 60 mit Abb.; Kunstsalon Franke, Baden-Baden, Kat. zur Ausstellung "Max Liebermann/Lovis Corinth", 26.8. bis 6.10.1990, Nr. 31, S. 74-75 (mit Abb.), bearbeitet von Prof. Dr. Hans-Jürgen Imiela.
Das Gemälde war 1970 Dauerleihgabe von Morton D. May in der Washington Universiy Gallery of Art in St. Louis.
Provenienz: Sammlung Dr. Karl Lilienfeld, Dresden; Van Diemen-Lilienfeld Gallery, New York (vom vorigen 1958 erworben); nach 1960 Sammlung Morton D. May (1914 - 1983), St. Louis, Missouri; Christie’s. London, Auktion 24.06.1986, Lot 127; Kunstsalon Franke, München u. Baden-Baden (1990); seitdem in Privatsammlung Baden-Baden.
Oil on canvas, relined. Signed. Painted in 1910. Mentioned in the catalogue raisonné and exhibited several times since 1913. Accompanied by an expertise from Professor Dr. Hans-Jürgen Imiela, Mainz, 26th June 1990.
Adresse der Versteigerung Kunstauktionshaus Schloss Ahlden GmbH
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