Lot 416. Stanhope, John Roddam Spencer. Andromeda. Um 1870

Starting price:€ 180 000
Auction date:04.07.2018   16:00
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Lot 416Stanhope, John Roddam Spencer. Andromeda. Um 1870
Öl auf Leinwand 128,5 x 53,5 cm. Restaurierte Rahmen. Stanhope gehört zur zweiten Generation der britischen Präraffaeliten und etablierte sich in der Kunstwelt mit Motiven der griechischen Mythologie. Stilistisch vertritt er die klassizistisch geprägte Malerei der Strömung. Aus großbürgerlichem Hause stammend, studierte er bei George Frederick Watts, arbeitete zusammen mit Dante Gabriel Rossetti und war eng mit dem Maler Edward Burne-Jones befreundet. Stanhope gehört zur zweiten Generation der britischen Präraffaeliten und etablierte sich in der Kunstwelt mit Motiven der griechischen Mythologie. Stilistisch vertritt er die klassizistisch geprägte Malerei der Strömung. Aus großbürgerlichem Hause stammend, studierte er bei George Frederick Watts, arbeitete zusammen mit Dante Gabriel Rossetti und war eng mit dem Maler Edward Burne-Jones befreundet. Das viktorianische England unter der Regierung Queen Viktorias (1837-1901) war aufgrund des vorherrschenden Protestantismus von streng formulierten Moralregeln geprägt. Jedoch nahm die Darstellung weiblicher Akte in der Zeit offizieller Prüderie deutlich zu und gelangte zu einer regelrechten Blüte, ließen sich doch in der Mythologie und Literatur genügend Themen finden, die künstlerisch die Nacktheit der Figuren erforderlich machten. Eine Doppelmoral entstand, die kulturell ihr Ventil finden musste. Im Gegensatz dazu ist aber durchaus in der Art der künstlerischen Verarbeitung antikisierender und mythologischer Sujets - obschon implizit - ein gesellschaftspolitischer Wandel zu beobachten, der sich nun häufiger in einer sublimen, aber dennoch selbstbewussten Erotik der Frau zeigt, die nicht mehr nur als ästhetisches und gänzlich vom Mann unterdrücktes Objekt fungiert, sondern als eigenständig handelndes und ausdruckstarkes Wesen. Nicht zu vergessen ist, dass 1870 erstmals gesetzlich in England verfügt wurde, dass Frauen ihr eigenes Einkommen behalten durften und die damit einhergehende Entwicklung der Frauenrechte. Dass die Diskussion um das Frauenbild und die Frauenrechte auch in unserer Zeit nicht abgeschlossen ist, zeigt nicht nur die aktuelle MeToo-Debatte, sondern beweist auch der Aufschrei der britischen Bevölkerung als im Zuge einer Kunstaktion John William Waterhouse's bekanntes Gemälde ''Hylas and the Nymphs'' (1896) im Januar 2018 aus den Manchester City Galleries entfernt wurde. Die von Ovid erzählte Legende von Andromeda war in der viktorianischen Ära ein beliebtes Thema und wurde auch von Edward Burne-Jones in seinem Perseus-Zyklus behandelt. Die Tochter des Königs von Äthiopien, Kepheus, und der Kassiopeia, sollte - an einen Felsen gekettet - einem Meeresungeheuer geopfert werden, um die Eitelkeit ihrer Mutter zu sühnen. Kassiopeia hatte behauptet, selbst die Nereiden an Schönheit zu übertreffen. Die so Geschmähten wandten sich an Poseidon, der ein Untier aussandte, das die Gestade von Kepheus' Reich zerstörte. Nur Andromedas Opfer konnte das Schicksal wenden. Der junge Held Perseus erschlug das Ungeheuer und befreite Andromeda, die er zum Lohn als Frau erhielt. Der hohe Bekanntheitsgrad der Legende erlaubte es Stanhope, weitgehend auf das erzählerische Moment zu verzichten und sich stattdessen ganz auf den weiblichen Akt zu konzentrieren, ohne dabei Gefahr zu laufen, öffentlich Anstoß zu erregen. 1859 hatte Jean-Dominique Ingres mit seinem Gemälde ''Die Quelle'' den Prototyp eines neuen antikisierenden Stils in der Aktmalerei geschaffen, der den weiblichen Akt, indem er die Form über den Inhalt stellte, als Verkörperung idealer Schönheit und Keuschheit interpretierte. Dem Vorbild kompositorisch folgend, zeigt Stanhope seine Andromeda als Ganzfigur in klassischem Kontrapost mit über dem Kopf gelegten Arm an einen Pfahl gefesselt. Der Kontrast zwischen dem elfenbeinfarbenen Inkarnat zum dunklen Felsen sorgt für eine Betonung der Konturen und für eine lineare Wirkung der Komposition. Stanhopes Wahl eines vordergründig rein mythologischen Themas lässt - wie auch viele andere seiner weiblichen Akte und Allegorien - durch die Einbettung in eine von Doppelmoral geprägte Zeit - eine hintergründig erotische Deutung durchaus zu. VgLänge: Eine leicht variierte, etwa formatgleiche Fassung, ehemals Sammlung Sebastian de Ferranti (Sotheby's, British & Irish Art. Auktion 19. November 2013, Kat.-Nr. 11) zeigt die Andromeda von Felsgestein umgeben. Provenienz: Gallery Julian Hartnoll (and Eyre), London. - Galerie Michael Hasenclever, München (verso Etikett). - Nachlass Kurt Liebermeister, München. - Neumeister, München, Sonderauktion ''Nachlass [Kurt] Liebermeister'', 9. Mai 2010, Kat.-Nr. 444.

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Preview28.06.2018 - 02.07.2018
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