ID 1542601
Lot 38 | The pastry man
Estimate value
€ 4 000 – 5 000
Die Arbeit ist eine Farbstudie zu Gysis Gemälde "der Konditor" (das Gemälde heute in einer Privatsammlung) sein letztes bedeutendes Genregemälde, das 1898 in München entstand. Dem Hauptwerk gingen mehrere Modellstudien sowie die vorliegende Farbstudie voraus. Mit schnellen, ausdrucksstarken Pinselstrichen deutet Gysis die humoristische Szene an: Ein junger Konditor steht kurz vor einem Missgeschick. In seiner Eile lässt er eine Glasflasche fallen, während die Torte, die er auf einer Platte vor seinem Gesicht balanciert, ebenfalls ins Wanken gerät. Dieses Bildthema ist typisch für Gysis Genreszenen, denen der Künstler häufig eine humorvolle Note verlieh.
Mit flinken weißen Strichen werden Bluse, Schürze und Mütze des jungen Konditors angedeutet. Auf Hüfthöhe ist eine Flasche zu erkennen, deren gläserne Oberfläche das Licht in einem kontrastreichen weißen Streifen reflektiert. Mit kräftigem Rot deutet Gysis die gedeckte Torte an, die der Knabe auf einer Platte vor dem Gesicht zu balancieren versucht - vergeblich, denn sie ist bereits in der Mitte zerbrochen. Gysis plante dieses Werk in mehreren Vorstudien. Marcel Montandon zeigt in seiner Monographie drei weitere Studien, genannt "Kopfstudie", "Aktstudie" und "Gewandstudie" (Montandon 1902, S. 75-77, Abb. 73-75), jeweils in Kreide bzw. auf Papier. Jede einzelne Ebene des Gemäldes hat Gysis eigenständig geplant und vorbereitet. In dieser Studie beschäftigt sich der Künstler mit der Farbgebung des Gemäldes, bei der die Lichtverhältnisse und die Farbkomposition vorbereitet werden. Die weiteren Details sind nur schematisch angedeutet, diese spielen für diese Ebene der Bildvorbereitung keine große Rolle.
Die Farbstudie entstand nur wenige Jahre vor dem Tod des Künstlers und zeugt von der Sorgfalt, mit der Gysis seine Gemälde vorbereitete. Darüber hinaus beweist das Werk seine meisterhafte Beherrschung von Licht und Farbe. In der Komposition und den raschen Pinselstrichen entfaltet sich eine besondere Dynamik, die den Moment des drohenden Missgeschicks spürbar macht, ohne den Humor der Szene zu verlieren. Gysis gelingt es, mit wenigen Strichen eine lebendige Erzählung zu kreieren, die den Charakter des Gemäldes vorwegnimmt. Diese Farbstudie ist nicht nur ein technisches Experiment, sondern auch ein entscheidender Schritt im künstlerischen Schaffensprozess, der den Übergang von der skizzenhaften Idee hin zum vollendeten Werk dokumentiert. (Janina Wenzel)
Provenance: from the artist's estate. Munich.
Literature: Montandon, Marcel, Gysis. Bielefeld/Leipzig 1902, pages 75-77, illustrations 73-75. - Didaskalou, Konstantinos, Der Münchner Nachlass von Nikolaus Gysis, Munich 1993, page 126, number G 45, illustration 186: there dated 1898 and citing the 1928 Athens exhibition catalogue, catalogue number 372.
Cf. the same motif by the artist as a small sculpture, one version now in the National Gallery of Art in Athens, inventory number 4818, another in the artist's estate (46705-45).
Exhibition: Municipal Art Gallery Thessaloniki, Nikolaos Gysis (1842-1901), exhibition 1999, catalogue number 114. - Didaskalou, Konstantinos (editor), Gysis in Tinos, exhibition 2001, catalogue number 36.
| Artist: | Nikolaus Gysis (1842-1901) |
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| Auction house category: | Paintings 19th - 20th century |
| Artist: | Nikolaus Gysis (1842-1901) |
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| Auction house category: | Paintings 19th - 20th century |
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