"Der Konditor"

Los 38
25.02.2026 17:00UTC +01:00
Classic
AuctioneerKunstauktionshaus Neumeister
VeranstaltungsortDeutschland, München
Aufgeld30%
ID 1542601
Los 38 | "Der Konditor"
Schätzwert
€ 4 000 – 5 000
(Farbstudie). R. u. Nachlass-Stempel "N. Gysis". Öl auf Lwd. auf Karton. 24 x 13 cm. Min. rest., min. besch. Rahmen (40,5 x 30,5 cm).

Die Arbeit ist eine Farbstudie zu Gysis Gemälde "der Konditor" (das Gemälde heute in einer Privatsammlung) sein letztes bedeutendes Genregemälde, das 1898 in München entstand. Dem Hauptwerk gingen mehrere Modellstudien sowie die vorliegende Farbstudie voraus. Mit schnellen, ausdrucksstarken Pinselstrichen deutet Gysis die humoristische Szene an: Ein junger Konditor steht kurz vor einem Missgeschick. In seiner Eile lässt er eine Glasflasche fallen, während die Torte, die er auf einer Platte vor seinem Gesicht balanciert, ebenfalls ins Wanken gerät. Dieses Bildthema ist typisch für Gysis Genreszenen, denen der Künstler häufig eine humorvolle Note verlieh.

Mit flinken weißen Strichen werden Bluse, Schürze und Mütze des jungen Konditors angedeutet. Auf Hüfthöhe ist eine Flasche zu erkennen, deren gläserne Oberfläche das Licht in einem kontrastreichen weißen Streifen reflektiert. Mit kräftigem Rot deutet Gysis die gedeckte Torte an, die der Knabe auf einer Platte vor dem Gesicht zu balancieren versucht - vergeblich, denn sie ist bereits in der Mitte zerbrochen. Gysis plante dieses Werk in mehreren Vorstudien. Marcel Montandon zeigt in seiner Monographie drei weitere Studien, genannt "Kopfstudie", "Aktstudie" und "Gewandstudie" (Montandon 1902, S. 75-77, Abb. 73-75), jeweils in Kreide bzw. auf Papier. Jede einzelne Ebene des Gemäldes hat Gysis eigenständig geplant und vorbereitet. In dieser Studie beschäftigt sich der Künstler mit der Farbgebung des Gemäldes, bei der die Lichtverhältnisse und die Farbkomposition vorbereitet werden. Die weiteren Details sind nur schematisch angedeutet, diese spielen für diese Ebene der Bildvorbereitung keine große Rolle.

Die Farbstudie entstand nur wenige Jahre vor dem Tod des Künstlers und zeugt von der Sorgfalt, mit der Gysis seine Gemälde vorbereitete. Darüber hinaus beweist das Werk seine meisterhafte Beherrschung von Licht und Farbe. In der Komposition und den raschen Pinselstrichen entfaltet sich eine besondere Dynamik, die den Moment des drohenden Missgeschicks spürbar macht, ohne den Humor der Szene zu verlieren. Gysis gelingt es, mit wenigen Strichen eine lebendige Erzählung zu kreieren, die den Charakter des Gemäldes vorwegnimmt. Diese Farbstudie ist nicht nur ein technisches Experiment, sondern auch ein entscheidender Schritt im künstlerischen Schaffensprozess, der den Übergang von der skizzenhaften Idee hin zum vollendeten Werk dokumentiert. (Janina Wenzel)

Provenienz: Aus dem Münchner Nachlass des Künstlers.

Literatur: Montandon, Marcel, Gysis. Bielefeld/Leipzig 1902, S. 75-77, Abb. 73-75. - Didaskalou, Konstantinos, Der Münchner Nachlass von Nikolaus Gysis, München 1993, S. 126, Nr. G 45, Abb. 186: Dort datiert 1898 und unter Nennung des Ausstellungskataloges Athen von 1928, Kat.-Nr. 372.

Vgl. dasselbe Motiv des Künstlers als Kleinplastik, eine Ausführung heute in der Nationalgalerie Athen, Inv.-Nr. 4818, eine weitere im Nachlass des Künstlers in dieser Auktion (Kat.-Nr. 39).

Ausstellung: Municipal Art Gallery Thessaloniki, Nikolaos Gysis (1842-1901), Ausst. 1999, Kat.-Nr. 114. - Didaskalou, Konstantinos (Hg.), Gysis in Tinos, Ausst. 2001, Kat.-Nr. 36.
Adresse der Versteigerung Kunstauktionshaus Neumeister
Barer Str. 37
80799 München
Deutschland
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Telefon 089 231710-20
Fax 089 231710-50
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