ID 1466785
Los 53 | Jacopo Palma (eigtl. Negretti), gen. Palma il Vecchio, Nachfolge
Schätzwert
€ 40 000 – 60 000
um 1480 Serina / Val Brembana - 1528 Venedig
Venus und Amor
Öl auf Lwd. 119 x 220 cm. Doubliert. Rest. Rahmen min. besch. (137,5 x 238 cm).
Auf dem Keilrahmen Inventarstempel mit Nummerierung 155. Hs. Inventarnummer Schloss Friedenstein mit Nummerierung 155 (durchgestrichen), darunter "V. 241." in Rot. Ebda. Stempel "Elemibehandlung Dr. Büttner z. T." mit Nummerierung 1794.
VENUS "Sie wird nackend gebildet, weil sie ihre Verehrer oft nackend und arm macht, oder die Geheimnisse entdecket, oder auch die Blöße zur Liebe reizet." (Benjamin Hederich, 1770)
"Außerdem wird noch ein Gemälde dem Paolo Cagliari selbst beigelegt. Ein Frauenzimmer in Lebensgröße liegt unbekleidet auf einem rothen Gewand. Mit ihrem Untergewand ist ein kleiner Liebesgott beschäftigt. In der Ferne zeigen sich Gebirge und eine Stadt." (Georg Rathgeber, Beschreibung des Herzoglichen Museums zu Gotha. Gotha 1835, S. 42). Mit dieser Beschreibung ist offensichtlich das vorliegende Gemälde "Venus und Amor" gemeint. Es als Werk von Paolo Veronese (1528 Verona - 1588 Venedig), der - geboren als Paolo Cagliari - als Künstler nach seinem Geburtsort Verona benannt wurde, zu empfinden, mag auf einer überlieferten Zuschreibung beruhen, ist nach heutigem Kenntnisstand jedoch nicht mehr zu rechtfertigen.
Im Venedig des 16. Jahrhunderts entwickelte sich der weibliche Akt zu einem eigenständigen Thema in der Malerei. Frauen waren zwar bereits in der Vergangenheit ohne Kleidung dargestellt worden, jedoch meist in Zusammenhang mit Motiven, die auf der griechischen und römischen Mythologie basierten. Aber nie zuvor waren sie mit einer solchen Sinnlichkeit ausgestattet worden, wie es die großen Venezianer Tizian, Giorgione und Palma il Vecchio taten. Venezianische Maler stellten diese blonden, vollschlanken Vorbilder weiblicher Schönheit oft in Gestalt der Venus dar, der römischen Göttin der Liebe. Zur wohl berühmtesten Venus-Darstellung sollte dann die "Venus von Urbino" werden, die Tizian 1538 geschaffen hat (Florenz, Uffizien, Inv.-Nr. 1890 n. 1437).
Auch beim hier angebotenen Gemälde handelt es sich um eine zumindest in Venedig entstandene, wenn nicht gar von einem Venezianer geschaffene Arbeit. Und zwar um ein Werk, das auf eine andere Darstellung der Venus zurückgeht. Um 1520 schuf Jacopo Palma il Vecchio nämlich seine "Ruhende Venus", die seit 1728 Bestandteil der Dresdener Gemäldegalerie ist (Inv.-Nr. 190). Von ebenfalls großem Format (112,5 x 186 cm) zeigt Palma il Vecchio Venus in identischer Position, der Landschaftsausblick ist ähnlich angelegt, die Silhouette der Stadt entspricht weitgehend der auf unserem Gemälde dargestellten Bergstadt. Allerdings wird Venus auf dem Dresdener Gemälde vor einer Baumgruppe gezeigt, hier wird sie von einer baldachinartigen roten Stoffbahn hinterfangen und nicht zuletzt fügte unser Meister den Amorknaben hinzu, der mit dem Untergewand der Venus befasst ist. Die Bergstadt ist sehr detailreich wiedergegeben, wie auch die Blumen der Wiese akribisch studiert werden. Ein weiteres, sehr feines, erst auf den zweiten Blick erkennbares Detail zeichnet unser Gemälde aus: Ein zarter Schleier bedeckt den linken Arm und den Leib der Venus.
Wir haben es mit einer später entstandenen, variierenden Darstellung nach der Dresdener Venus zu tun. Diese wurde 1728 in Italien erworben und befand sich nach ihrer Entstehung 1521 möglicherweise in der Sammlung des Francesco Zio, 1532 in der Sammlung von Andrea Odoni in Venedig. Venus wird in unserem Fall weniger "nackt" gezeigt, der Künstler besinnt sich auf die tradierte Darstellung einer Venus, die mit ihren Reizen etwas geizt: die sog. Venus Pudica, die schamhafte Venus. Man mag diese Schamhaftigkeit mit einer gewissen Prüderie, die während der Gegenreformation tendenziell feststellbar ist, in Verbindung bringen. Eine Entstehung des Gemäldes um 1600 kann angenommen werden. In dieser Zeit ging es nicht mehr um die reine Zurschaustellung einer "donna nuda", sondern auch wieder um die Berücksichtigung des Aspekts der Schicklichkeit.
Gregor J. M. Weber verweist auf einen interessanten Aspekt, der unserem Gemälde sogar dokumentarischen Charakter hinsichtlich des Vorbildes von Palma il Vecchio verleiht: Die Dresdener Venus wurde im 17. Jahrhundert vor allem bezüglich des Hintergrundes stark überarbeitet. Weber geht davon aus, dass der Künstler unseres Gemäldes den ursprünglichen Hintergrund des Dresdener Gemäldes wiedergegeben haben könnte (vgl. Webers Katalogtext in "Venus - Bilder einer Göttin". Ausst.-Kat. Alte Pinakothek München, 1. Februar - 22. April 2001. München 2001, S. 128 f., Kat.-Nr. 2: die "Ruhende Venus" Palmas aus Dresden).
Provenienz: Stiftung der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha´schen Familie, Herzoglicher Kunstbesitz Schloss Callenberg.
Kategorie des Auktionshauses: | Gemälde 15.-18. Jahrhundert |
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